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Die Dirigentin Lisa Xanthopoulou hat die Musikliebaber verzaubert.

 

                    Anadolu Ajansi Zeitung, 12.03.2011

 

 

Αls eine Frau in einem von Männern dominierten Beruf hatte sie viele Schwierigkeiten und musste sich mit sehr viel Arbeit durchsetzen, sagte die

Dirigentin.

 

Anlässlich des Welt-Frauen-Tages leitete die griechische Dirigentin Lisa Xanthopoulou das Staatsorchester Izmir im Ahmed- Adnan- Saygun-Konzertsaal. Bahar Biricik (Violine) war die Solistin des Abends. Auf dem Programm standen ein Stück der Komponistin Ebru Güner Cambey und das Violinkonzert von Cemal Recit Rey. Nach der Pause wurden die Suite Nr. 1 von J. Konstantinidis und die Suite „Zorbas“ von Mikis Theodorakis gespielt.

 

Die Musikliebhaber applaudierten stehend.

 

Anadolu Ajansi interviewte Lisa Xanthopoulou, die seit fünf Tagen in Izmir ist.

 

L.X.: „Die Stadt Izmir ist geschichtlich und kulturell sehr verbunden mit dem griechischen Volk. Deshalb bin ich so begeistert. Selbst unsere Esskultur und generell auch unsere Mentalität sind sich sehr ähnlich.“

 

In der klassischen Musikwelt gibt es sehr wenige weibliche Komponisten und Dirigenten.

 

L.X.: „Auf diesem Gebiet, das von Männern dominiert wird, haben es die Dirigentinnen sehr schwer.“

 

Sie selbst hat es sehr schwer gehabt und musste sich durchsetzen. In vielen Ländern erlebte sie Zweifel an ihrer Fähigkeit als Dirigentin, aber nach den ersten Proben schmolz das Eis.

 

L.X.: „Von einer Frau wird erwartet, dass sie zu Hause sitzt und auf die Kinder aufpasst. Selbst in fortgeschrittenen Ländern habe ich das verschiedentlich erlebt. In Berufen wie Pilot, Manager oder Chef sind wenige Frauen vertreten. Ich bin mit vielen Schwierigkeiten so weit gekommen. Der einzige Weg, sich als Dirigent weiter zu entwickeln, ist, den Beruf auszuüben. Aber um das zu erreichen, muss man als Frau die Leute, die Dirigenten engasieren, überzeugen. Im Vergleich zu männlichen Kollegen muss ich mehr und überzeugender arbeiten. Andererseits ist das Publikum sehr offen und glücklich und umarmt die Frauen am Pult. Das Staatsorchester Izmir hat die Chance, dort zu proben, wo es die Aufführung macht. Es ist ein sehr gutes Orchester. Die Orchestermitglieder haben mich mit sehr viel Wärme aufgenommen und mir gleich bei der ersten Probe 100 % gegeben. Der sehr gute Konzertsaal, das Können der Musiker und dass sie mir als Frau ohne Vorurteile entgegen gekommen sind, haben mich mit Glück erfüllt.“

 

Der Direktor des IZDSO sagte, dass er ein spezielles Konzert veranstalten wollte, und dass er sehr glücklich darüber sei, mit einer Dirigentin zu arbeiten. Über das Konzept, das Werk einer Frau aufzuführen und dafür eine Dirigentin und eine Solistin zu engagieren, haben sich die Zuhörer sehr gefreut. 

Die Oper Thessaloniki darf keine Tochtergesellschaft des Staatstheaters Nordgriechenlands sein

 

Tageszeitung ELEFTHEROTIPIA - 5/11/2007

 

Diese Griechen dirigiert mit ihrem ganzen Wesen," schrieb im Jahr 2000 die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Lisa Xanthopoulou, die Dirigentin aus Thessaloniki. Trotzdem hat sie eine vielversprechende internationale Karriere „aufgeschoben", wie sie selbst sagt, um die künstlerische Leitung der Oper Thessaloniki zu übernehmen.

 

Die in Deutschland ausgebildete Dirigentin Lisa Xanthopoulou gab eine vielversprechende Karriere im Ausland auf, um die Intendanz der Oper Thessaloniki zu übernehmen.  (Foto)

 

Sie hat bereits viele bedeutende Orchester dirigiert, wie das Symphonieorchester Berlin, das Radiosinfonieorchester Stuttgart Rundfunks, das Symphonieorchester Moskau, das Orchester der Beethovenhalle, das Frankfurter Staatsorchester, die Landeskapelle Eisenach, die Neubrandenburger Philharmonie, die Nürnberger Symphoniker, die Baden-Badener Philharmonie, u.a.. 

 

Dennoch ist sie in die Heimat zurückgekehrt, um, eine nach der anderen, die 20 Stufen der „Treppe" hinauf zu steigen, die zu einem vollendeten Opernhaus führt. Das dritte und letzte Jahr ihrer Vertragszeit mit der Oper Thessaloniki ist bereits angebrochen. Also befindet sie sich, wie sie selbst sagt, auf „der dritten Stufe". 

 

Sie ist die zweite in Deutschland ausgebildete Person am Steuer einer künstlerischen Institution dieser Stadt; die andere ist Myron Mihailidis, der künstlerische Leiter des Staatsorchesters Thessaloniki, und beide beweisen, dass deutsche Methoden, Strenge und Disziplin zu Ergebnissen führen.

 

Am Freitag hat Lisa Xanthopoulou ein Projekt der Oper Thessaloniki vorgestellt, das in diesem Schuljahr nun zum zweiten Mal angeboten wird: das Pädagogische Programm der Oper für 2007-2008. Es besteht aus musikpädagogischen Workshops, der Oper „Die Kluge" von Carl Orff, die von jungen Künstlern präsentiert wird, und dem zweiten „Pes Opera" Festival, mit verschiedenen Wettbewerben, Vorstellungen, Aktivitäten, usw.

 

Darüber hinaus wies sie auf die neue Produktion der Oper Thessaloniki hin, die am 2. Februar Premiere hat: es geht um die weniger bekannte Oper von Ruggiero Leoncavallo, „Oedipus Rex".

 

„Aber es wird lediglich sieben Vorstellungen geben, weil wir nur an diesen Tagen Zugang zur Bühne der Gesellschaft Mazedonischer Studien haben, und zwar zwischen zwei Produktionen des Staatstheaters Nordgriechenlands," sagt uns Lisa Xanthopoulou. „Dieses räumlich-zeitliche Problem ist unser Hauptanliegen", betont sie, „denn auch wenn wir die Mittel haben, können wir keine große Produktion innerhalb von zwei Monaten vorbereiten". Daher ist ihr Hauptziel die Autonomie der Oper Thessaloniki gegenüber dem Staatstheater Nordgriechenlands, und dies wünscht sich auch Nikitas Tsakiroglou.

 

Die Kinder von Thessaloniki werden im Rahmen des „Pes Opera" Festivals über verschiedenste Aktivitäten mit der  Oper vertraut gemacht. (Foto)

 

Auf dem Weg zur Autonomie

 

„Damit die Oper Thessaloniki ihren Aufgaben wirklich gerecht werden kann, muss sie auch die rechtlichen Voraussetzungen einer autonomen Organisation haben. Sie braucht einen eigenen Haushalt, Mitarbeiter, ein Gebäude. Zur Zeit müssen wir Kostüme mieten, weil wir die Schneiderei des Staatstheaters nicht benutzen dürfen, obwohl die Oper Thessaloniki zum Theater gehört." Doch der Weg zur Autonomie wird bereits geebnet. „Im Februar wird dem Parlament ein Gesetzesentwurf zur Gründung der Staatsoper für Mazedonien und Thrazien vorgelegt,"  sagt sie. Bis dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann, schlägt Lisa Xanthopoulou dem griechischen Ministerium für Kultur eine Zwischenlösung vor, nämlich eine Abkoppelung der Oper Thessaloniki vom Staatstheater Nordgriechenlands.  

 

Bisher wurde der Zuschuss für die Oper von 760.000 auf 850.000 Euro aufgestockt, und weitere Verpflichtungen über das Programm „Kultur" des Ministeriums, sowie über einige europäische Programme abgedeckt. „Um als Organisation funktionieren zu können, braucht die Oper Thessaloniki eigene Mittel. Für die Produktion der Oper „Aida" im Waldtheater Thessaloniki in diesem Sommer haben wir alles, aber auch alles, was wir brauchten, gemietet, weil wir die Techniker des Staatstheaters nicht in Anspruch nehmen durften. Wir haben externe Arbeiter eingestellt, Kostüme und Lagerräume gemietet, wir mussten ein Orchester von außerhalb anreisen lassen, denn beide Orchester der Stadt Thessaloniki hatten bereits eigene Konzerte auf dem Programm. Das bedeutete Reise- und Unterkunftskosten für viele Tage. Und es sind enorme Ausgaben für eine Produktion, die an nur drei Abenden gezeigt wurde, weil das Waldtheater bereits für viele andere Veranstaltungen gebucht war." 

 

Trotzdem ist Lisa Xanthopoulou zuversichtlich, denn das Publikum reagiert positiv. „Das sind die Leute, die Druck ausüben werden auf die politischen Entscheidungsträger damit die Stadt ein richtiges Opernhaus bekommt. Und das Publikum will offenbar die Oper Thessaloniki." Aber das Vorhaben wird vermutlich noch seine Zeit brauchen. „An Verzögerungen bin ich längst gewöhnt. Aber der Anfang ist nun gemacht. Jetzt gibt es kein zurück."

 

 

 

SAKIS APOSTOLAKIS 

AIDA, VERDIS „exotische" Oper

 

www.classicalmusic.gr, 28.08.2007

S.X: Frau Xanthopoulou, wie schwierig ist es denn für einen Künstler, eine künstlerische Organisation zu leiten? Intendanten sind immer der Kritik ausgesetzt. Selten gelingt es ihnen, alle zufrieden zu stellen, und selten bleiben sie lange genug bei einem Theater, um die Ergebnisse ihrer Arbeit zu erleben. Um eine solche Aufgabe zu übernehmen, muss man viel Mut haben, oder? 

 

Lisa Xanthopoulou: In der Tat muss der künstlerische Leiter einer solchen Organisation in Griechenland gleichzeitig als Buchhalter, Finanzexperte, Manager, Diplomat, charismatische Führungspersönlichkeit, Jurist, Richter, Psychologe, Pädagoge, Soziologe und Prophet auftreten, und ist zudem ständig psychischem und somatischem Stress ausgesetzt, muss Deus ex machina - Lösungen finden, und vieles andere mehr. Personen, die eine solche Position bekleiden, müssen ständig die Verantwortung für ihr Handeln und ihre Entscheidungen tragen, denn sie sind, wie Sie bereits sagten, fortwährend der Kritik aller ausgesetzt. Ich persönlich kann jede Kritik akzeptieren, vorausgesetzt sie ist gut gemeint und hat das Ziel, zur Verbesserung der Entwicklung der Organisation beizutragen, die ich die leite und die mir am Herzen liegt. Als ich die Leitung der Oper Thessaloniki übernahm, war diese eine völlig unselbständige Organisation, untergebracht in einer Kammer, die lediglich mehrere Quadratmeter groß war, ein eigenständiger jedoch nicht autonomer Teil einer größeren Organisation, nämlich des Staatstheaters Nordgriechenlands. Dank unnachlässiger Bemühungen hat die Oper nun einen gewissen Status erlangt. Aber diese - immer noch - von den Entscheidungen des Staatstheaters Nordgriechenlands abhängige Entwicklung der Oper ist etwas, was uns unglaubliches Kopfzerbrechen gekostet hat. 

 

S.X.: Die Oper Thessaloniki ist eine erfreuliche Überraschung für unsere Stadt, die ein musikalisches „Manko" aufzuweisen hat. Welche ist Ihre Zukunftsvision für dieses Haus? Kann es eine Zukunft haben in einem Land, in dem die klassische Musik angeblich nicht die staatliche Förderung erfährt, die ihr gebührt? 

 

Lisa Xanthopoulou: Das Publikum in Thessaloniki ist meines Erachtens das anspruchvollste und am besten gebildete in ganz Griechenland. Das kulturelle Leben in dieser Stadt hat sich in den vergangenen 15 Jahren enorm verbessert. Das Problem, was es noch zu lösen gilt, ist natürlich die permanente Unterbringung und Finanzierung der kulturellen Organisationen, damit sie das Kulturelle Leben der Stadt langfristig beleben können, um eine Tradition zu schaffen, ein Begriff, der uns im Bereich der klassischen Musik fehlt. Thessaloniki und Nordgriechenland brauchen ein Opernhaus, und ich stelle fest, dass auch der derzeitige politische Wille kontinuierlich in diese Richtung geht. Ein Opernhaus zu haben sollte nicht ein Traum sein müssen, sondern eine Selbstverständlichkeit. 

 

S.X.: Obwohl natürlich alle von der Besetzung der AIDA beeindruckt sind (und der Produktion viel Erfolg wünschen), darf ich vielleicht ein Thema ansprechen, das viele beschäftigt: warum wurden so viele ausländische Künstler engagiert? Man macht sich sorgen darüber, dass die Oper Thessaloniki letztlich zu einer Organisation werden könnte, die es vorzieht, Künstler aus dem Ausland einzustellen. Gibt es denn nicht genügend junge Interpreten in unserem Land, um eine solche Vorstellung mit Erfolg zu bestreiten, ohne ausländische Kollegen engagieren zu müssen? 

 

Lisa Xanthopoulou: Wie ich gerade sagte, kann ich Kritik gut vertragen. Die Bedenken, die Sie gerade geäußert haben, sind zweifelsohne gut gemeint, denn es geht um die Beschäftigung unserer einheimischen Künstler. Aber glauben Sie mir, diese Kritik beruht auf mangelnder Information. Diejenigen, die sie anbringen, erinnern sich vielleicht nicht mehr daran, dass die Oper Thessaloniki in der vergangenen Spielzeit ausschließlich mit griechischen Künstlern zusammengearbeitet hat, sowohl mit debütierenden als auch mit erfahrenen. Das kann man ganz einfach bestätigen, indem man sich die Programme der Entführung aus dem Serail vom Mozart, der Fledermaus von Strauss oder der Klugen von Orff ansieht. Im November 2006 haben wir sogar einen kostenlosen Meisterkurs organisiert, unter der Leitung der weltbekannten Mezzosopranistin Christa Ludwig. Unser pädagogisches Programm hat im Laufe des Schuljahrs 7000 Kinder mit der Oper in Berührung gebracht. Wenn Künstler aus dem Ausland engagiert werden, so hat dies Gründe, auf die mancher vielleicht nie kommen würde. Könnte es sein, dass die Oper Thessaloniki zunächst auf die Genehmigung des Veranstaltungsorts warten muss, und dann erst sehr spät griechische Interpreten anfragt, die nun bereits anderweitig verpflichtet sind? Könnte es sein, dass eine neue Organisation sich auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen muss, und dass dies in erster Linie durch das Auftreten bedeutender Künstler aus dem Ausland gelingt, was auch an allen Opernhäusern der Welt üblich ist? Es gibt überhaupt keinen Grund zu glauben, dass unsere einheimischen Künstler bedroht werden, wenn Kollegen aus dem Ausland engagiert werden; oft fällt der Vergleich mit Ihnen auch zum Vorteil der Griechen aus und ist ihnen folglich sogar nützlich.

 

Sofia Xygala

Das erste „Pes Opera" Festival

 

City Portal, 8.5.2007

 

Unser Ziel war es, Kinder und Jugendliche einzuladen, bei uns die magische Welt der Oper kennen zu lernen, und das ist uns gelungen," sagte Lisa Xanthopoulou, Intendantin der Oper Thessaloniki, Anastasia Grigoriadou von der Zeitschrift CITY über das erste „Pes Opera" Festival.

 

Ist denn Oper etwas für Kinder? Warum, auf welche Weise und unter welchen Voraussetzungen? 

 

Das Grundelement des vielschichtigen Genres der Oper ist die Sprache. Viele Opernlibretti wurden der Welt der Märchen entnommen. Wenn die Handlung eines Werks verständlich und geeignet ist, haben auch junge Zuschauer ohne weiteres Zugang zur Vertonung, denn Kinder sind bekanntlich ohnehin immer sehr aufnahmefähig für Melodien, Harmonien und Rhythmen. 

 

Wie haben Sie das pädagogische Programm „Pes Opera" ins Leben gerufen? Welcher Gedanke steckte dahinter, und welches Ziel? Ist Ihnen die pädagogische Arbeit der Oper Thessaloniki wichtig, und warum?

 

Einerseits glaube ich, dass ein aktives Opernhaus in der Balkanregion sein zukünftiges Publikum weiterbilden muss, andererseits gibt es bisher keine Bildung im Bereich Oper. Daher war es unser Ziel, Kinder und Jugendliche einzuladen, bei uns die magische Welt der Oper kennen zu lernen, und das ist uns gelungen. Unser Ziel ist es, unserem - noch sehr jungen - Publikum unvergessliche schöpferische Erfahrungen zu ermöglichen. Außerdem darf ich betonen, dass unser gesamtes pädagogisches Programm kostenlos angeboten wurde, denn es wurde über das Operationelle Programm „Kultur" finanziert.   

 

Was ist Ihre bisherige Erfahrung aus dem ersten Jahr mit dem pädagogischen Programm? Wie hat das Publikum, groß und klein, darauf reagiert? 

 

Die Beteiligung ging weit über unsere Erwartungen hinaus! Ich kann Ihnen hiermit die Besucherzahlen vorlegen für unsere Produktionen vorlegen, sowie die der Teilnahme der Kinder an unseren Programmen, wobei natürlich auch viele Erwachsene mitgemacht haben: 

20 Gymnasialschüler waren am Workshop der Oper Thessaloniki über die Oper „Die Kluge" von Carl Orff beteiligt, die Sie beim Festival sehen werden. Sie haben mitgearbeitet bei Regie, Bühnenbild und Kostümen.  

65 Schulen in Thessaloniki und Umgebung nahmen an den „Pes Opera" Workshops teil. 

300 Kinder und junge Künstler werden ihre Arbeit beim Festival vorstellen, und somit die Gelegenheit haben, ihr Talent und ihre Liebe zu diesem Genre des Musiktheaters zu zeigen. 

1500 Kinder haben die magische Welt der Oper kennengelernt, und zwar in ihren eigenen Schulen, wo sie mit sechs spezialisierten Animateuren dieses Genre selbst erleben und erlernen durften.  

6000 Kinder aus Thessaloniki, in der Umgebung der Stadt und in gemeinnützigen Einrichtungen besuchten Opernvorstellungen, die für sie konzipiert und angepasst wurden. 

 

Wie soll das pädagogische Programm der Oper Thessaloniki fortgesetzt werden? Wie können die Pläne für die nächste Zukunft am besten umgesetzt werden? 

 

Wir werden unsere pädagogischen Workshops in den Schulen fortsetzen, denn schon in diesem Jahr hatten sich Dutzende von Schulen angemeldet, die wir nicht ins Programm aufnehmen konnten. Wir wollen auch die Anzahl der Animateure verdoppeln, damit täglich eine größere Zahl von Schulen besucht werden kann. Das Programm kann dann am besten umgesetzt werden, wenn daraus eine gewisse Tradition wird, und wenn die Lehrer mit der Oper immer besser zusammenarbeiten.  

 

Sie haben in der Vergangenheit bereits mit Pädagogen und anderen Bildungsträgern zusammen gearbeitet - sowohl im Rahmen ihrer pädagogischen Programme als auch anderweitig. Beabsichtigen Sie, diese Zusammenarbeit und Ihre Aktivitäten im allgemeinen zu erweitern? 

 

Die Oper hat bereits mit den bedeutendsten Konservatorien bzw. Musikschulen unserer Stadt zusammen gearbeitet, sowie mit den Dekanen und den Musikabteilungen unserer Universitäten, mit Bildungsträgern, mit Vereinen, und all dies mit der ausdrücklichen Unterstützung der städtischen Behörden Thessalonikis. Diese Extrovertiertheit, die Kommunikation nach Außen und die Zusammenarbeit mit Institutionen der Kultur und der Bildung ist für die Oper Thessaloniki unerlässlich, denn bis vor kurzem wusste kaum jemand, dass es sie überhaupt gibt. 

Darüber hinaus ist es ihre Aufgabe, es jungen Menschen zu ermöglichen, berufliche Erfahrungen zu sammeln, und dies in einem Land, in dem man bisher ins Ausland gehen musste.

 

Was wird es beim ersten „Pes Opera" Festival zu sehen geben? An wen richtet es sich? 

 

Es ist in erste Linie eine großes Fest für Kinder, bei dem Spiele, Vorstellungen, Aktivitäten für Kinder, Überraschungen, aber auch die Vermittlung von Wissen und Erfahrungen aus der Welt des Musiktheaters im Mittelpunkt stehen. 

Viel wichtiger als künstlerische Perfektion sind hier die kreativen Bemühungen von 300 Kindern. Ich bin davon überzeugt, dass viele Erwachsene von unserem Programm profitiert haben und noch profitieren werden, denn oft sind sie kaum besser mit der Oper vertraut als ihre Kinder. Ich gehe davon aus, dass viele Erwachsene im Publikum sitzen wenn wir unser neues digitales Lernmaterial vorstellen, dass sie sich den elektronischen Opernführer für Kinder mit Interesse ansehen und auch das Videogame „Die Entführung aus dem Serail" mitspielen.

Zum Abschluss unserer Veranstaltungen gibt es ein Feuerwerk am Himmel über dem Westen Thessalonikis! 

 

Soll das Festival zur Tradition werden? Welche Neuerungen würde das Ihrer Meinung nach mit sich bringen? Hat man im Ausland damit bereits Erfahrungen gemacht?

 

Ja! Deshalb haben wir es auch das erste Festival genannt, das zweite soll Wettbewerbscharakter haben und international sein. So ein großes Fest, so eine kreative Begegnung von Scharen von Kindern und Jugendlichen im Namen der Oper, ein vielseitiges Musiktheater-Happening, das von Kindern für Kinder veranstaltet wird, wird sicherlich zu einem wichtigen kulturellen Ereignis werden und von unschätzbarer, langfristiger pädagogischer Bedeutung sein. Ähnliche Gedanken sind auch schon des öfteren in anderen Ländern umgesetzt worden.

 

Gibt es ein Opernpublikum in Thessaloniki? Ist dieses Publikum groß genug, um Opernproduktionen und -vorstellungen zu unterstützen? Was kann getan werden, um dem Publikum entgegenzuarbeiten und es vielleicht noch zu erweitern?

 

Das Publikum in Thessaloniki ist distinguiert, gebildet und anspruchvoll. Seine Liebe zur Oper hat es bereits unter Beweis gestellt. Wenn es der Oper gelingt, ihr zeitlich-räumliches Problem zu lösen und ihre Autonomie zu sichern, dann ist ihr dieses Publikum sicher, insbesondere deshalb, weil die Bürger Nordgriechenlands das Fehlen eines Opernhauses als kulturelle Institution bereits so lange hinnehmen mussten, während sogar Tirana ein Opernhaus hat.

 

Hat die Oper Thessaloniki inzwischen ihre grundlegenden Probleme in punkto Material und Technik gelöst? Welche sind Ihre hauptsächlichen Prioritäten? Welches ist für Sie das derzeit größte Problem, das Sie sobald wie möglich lösen möchten?

 

Die Oper Thessaloniki hat sich zu einer lebensfähigen kulturellen Organisation entwickelt, mit Mitarbeitern, Organisationsleitlinien, Zielen und einem Programm. Leider fehlt es immer noch an ausreichender verwaltungs- und technischer Unterstützung, und wir haben keine eigenen Bühne, die nicht der Planung des Staatstheaters Nordgriechenlands unterliegt. Am 23. Februar 2007 wurde die zukünftige Autonomie der Oper angekündigt, und ihr Name soll fortan STAATSOPER FÜR MAZEDONIEN UND THRAZIEN heißen, nach dem Vorschlag, der dem griechischen Ministerium für Kultur vorgelegt wurde. Bis zur Realisierung dieses Vorhabens muss dennoch der Staat Lösungen vorlegen, damit das künstlerische Schaffen und der Betrieb der Oper nicht vollständig und endgültig von der Leitung des Staatstheaters Nordgriechenlands abhängt. Auch das Staatstheater wünscht sich tagtäglich eine Loslösung der Oper, aber leider wird trotzdem nicht zu ihrem Fortschritt beigetragen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Dirigentin Lisa Xanthopoulou spricht über die neue Produktion der Oper Thessaloniki

 

www.classicalmusic.gr, Februar 2007

 

Paris Konstandinidis: Am 10. Februar hat im Theater der Gesellschaft für Mazedonische Studien die Operette von Johann Strauss „Die Fledermaus" Premiere. Sagen Sie uns doch etwas über die Handlung und die Besetzung. 

 

Lisa Xanthopoulou: Die Fledermaus ist das Karnevalskostüm des Dr. Falke, in dem er, betrunken und von seinem Freund Eisenstein verlassen, am Morgen nach einem Faschingsball auf der Straße aufwacht. Für diesen Streich rächt sich Dr. Falke ein Jahr später, indem er seinem untreuen Freund unangenehme, aber auch - für das Publikum - lustige Überraschungen bereitet. 

 

Die Fledermaus wird in Wien - wie an den meisten großen Theatern der Welt - gerne in der Weinachts- und Silvesterzeit aufgeführt. Die Oper Thessaloniki musste für die Aufführung dieses Werks den Zeitraum wählen, für den uns das Staatstheater Nordgriechenlands - wie bereits im vergangenen Jahr - das Theater der Gesellschaft für Mazedonische Studien zur Verfügung gestellt hat. Die Besetzung ist bei dieser Produktion eine rein griechische, einerseits weil die Dialoge auf Griechisch gesprochen werden und andererseits weil wir versuchen, so oft wie möglich Künstler aus unserem eigenen Land zu engagieren. Die Regie führt Zaxos Terzakis und das Bühnenbild sowie die Kostüme sind von Apostolos Vettas. Der Chor von Thessaloniki wirkt erstmals bei einer Produktion der Oper Thessaloniki mit, während wir bereits seit vielen Jahren mit dem Symphonieorchester Thessaloniki zusammen arbeiten. Die Stadt Thessaloniki, bzw. deren Abteilung für Kultur, stellt uns die bei ihr fest angestellten Musiker dieses Ensembles kostenlos zur Verfügung und unterstützt dadurch die Arbeit der Oper Thessaloniki. Ich darf hinzufügen, dass unsere Zusammenarbeit tadellos verläuft.  

 

P. Κ.: Vermittelt uns das Werk lediglich einen Einblick in das Leben der bürgerlichen Schicht der Hauptstadt des österreichischen Kaiserreichs, oder kommen darin auch ständige Anliegen der Menschheit zur Sprache - wie Leidenschaft, Schwäche oder Ehrgeiz?

 

L. X.: Ja, für mich ist das Werk völlig zeitlos, denn die eheliche Untreue - auch wenn sie nicht „vollzogen" wird - das Bedürfnis nach Unterhaltung, um die tägliche Routine zu vergessen und die Suche nach dem Glück sind heute genauso aktuell wie damals. Ich wage auch zu behaupten, dass die Champagner-Partys, mit Tänzen im Dreivierteltakt, die 1870 gefeiert wurden, ihren Gästen bessere Unterhaltung bieten konnten als die Feste, die man heute feiert. Darüber hinaus führte die Wirtschaftskrise jener Zeit dazu, dass sich die Bourgeoisie gerne frenetischer Unterhaltung hingab, und dies ist meines Erachtens auch ein Phänomen der heutigen griechischen Gesellschaft. 

 

P. Κ.: Wie nähert man sich dieser Operette durch die Regie, die Kostüme und das Bühnenbild? Wird dies eine traditionelle Produktion, oder wollen Sie bestimmte konkrete Aspekte betonen? Und wenn ja, warum haben Sie gerade diese Perspektive gewählt? 

 

L. X.: Die Inszenierung ist eine klassische, die den Zuschauer in erster Linie unterhalten soll, anstatt ihn mit komplizierten Botschaften zu beschäftigen. Das Bühnenbild birgt allerdings Geheimnisse, die das Publikum dazu veranlassen sollen, freiwillig nach ihrer Lösung zu suchen. Die meisten Kostüme sind aus der Garderobe des Staatstheaters und der Oper - die uns noch fehlenden Kostüme, sowie das Bühnenbild, wurden in den Werkstätten des Staatstheaters fertiggestellt. Musikalisch haben wir uns bemüht, die Partitur im Sinne der Wiener Tradition zu interpretieren. 

 

P. Κ.: Man könnte behaupten, dass die Partitur gewissermaßen ein Psychogramm der Charaktere vermittelt. Würden Sie uns die Hauptpersonen kurz beschreiben? 

 

L. X.: Eisenstein ist ein frecher, naiver und untreuer Ehegatte. Rosalinde ist eine reife, kluge Frau, aber auch eine betrogene Gattin. Alfred ist ein verrückter, überschwänglicher Tenor. Dr. Falke ist der hinterlistige Erfinder des Racheaktes. Frank ist ein ungehobelter, emotional verhungerter Beamte. Adele ist die ehrgeizige Zofe, launisch und raffiniert, die es faustdick hinter den Ohren hat. Frosch ist der betrunkene Wachtmeister, der alles doppelt sieht, Dr. Blind der stotternde Anwalt. Orlofsky ist ein steinreicher, doch melancholischer Prinz und Ida, Adeles Schwester, eine naive Tänzerin. 

 

P. Κ.: Ein Dirigent kann natürlich gewisse Aspekte herausbringen oder verdecken, je nachdem, wie die Partitur interpretiert wird. Wie gehen Sie als Dirigentin mit Rosalinde um? Wird die Interpretation des Werks davon beeinflusst, ob es sich um einen Dirigenten oder eine Dirigentin handelt, wenn man dabei vielleicht an andere Aufführungen denkt?  

 

L. X.: Unser Geschlecht hat mit biologischen Vorgaben zu tun, aber die Musik, die in unseren Venen fließt, hat kein Geschlecht. Die musikalische Interpretation der Rosalinde oder einer anderen Partie hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin. Wenn ich am Pult stehe und das Cardas dirigiere, dann leitet mich griechischer Eigensinn und ungarische Leidenschaft...

 

P. Κ.: Sagen Sie uns etwas über die Oper Thessaloniki. Wie wurde sie gegründet? Was hat sie bisher geleistet? Welche Probleme gilt es zu lösen? 

 

L. X.: Bevor die neue Verwaltung und Direktion der Oper Thessaloniki ernannt wurde, war sie in einer Gaderobe des Staatstheaters Nordgriechenlands untergebracht, die das Theater auf Betreiben seines Leitungsgremiums als Büroraum zur Verfügung gestellt hatte, und es gab eine Sekretärin. Natürlich musste um die Gründung der Institution hart gekämpft werden, aber dennoch konnte niemand diese Zweigstelle des Staatstheaters ernsthaft als Organisation anerkennen. Genau dies versuchen wir, d.h. die Leitung der Oper, meine Mitarbeiter und ich, zu erreichen. Wir haben viel vor, und versuchen unsere Ziele gleichzeitig anzupeilen, damit die Oper Thessaloniki so bald wie möglich autonom werden kann. 

 

Die gemeinsame Unterbringung dieser beiden Institutionen (Staatstheater und Oper) unter ein und demselben Dach, die mangelhaften Verwaltungsdienste und unzureichende technische Infrastruktur, die der Oper zugestanden wird - aufgrund eines Mangels an klaren gesetzlichen Regelungen - aber vor allen Dingen die Tatsache, dass ihre künstlerische Arbeit und zeitlich-räumliche Planung von Beschlüssen des Staatstheaters abhängig ist, sind die Hauptprobleme unseres Hauses, die wir in nicht allzu ferner Zukunft zu lösen hoffen, denn wir haben bereits viel Geduld gezeigt und werden weiterhin darauf beharren. 

 

P. Κ.: Würden Sie uns auch etwas zu Ihrem pädagogischen Programm sagen? Wie kommt es Ihres Erachtens bei den Kindern an?  

 

L. X.: Im Rahmen ihres pädagogischen Programms, das „Pes Opera" heißt, organisiert die Oper Thessaloniki eine Reihe von Aktivitäten für die Kinder und Jugendlichen unserer Stadt. Diese Aktivitäten umfassen u.a. Vorstellungen für Kinder, wie etwa die Oper „L'Enfant et les Sortilèges" von Ravel, das im November 2006 im Festsaal der Aristoteles Unversität Thessaloniki aufgeführt wurde in Zusammenarbeit mit dem European Opera Centre, sowie die Vorstellung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail" in Form eines Marionettentheaters mit Sängern auf der Bühne im Theater Aneton in Thessaloniki, im Dezember 2006. Zu dieser Produktion wurden 6000 Schüler aus unserer Stadt und Nordgriechenland sowie gemeinnützige Vereine eingeladen.

 

Außerdem umfasst das Programm Workshops für Schüler bis einschließlich der 9.Klasse, die in den Räumen der daran beteiligten Schulen veranstaltet werden. Alle Aktivitäten sind ausschließlich für Kinder dieser Altergruppe konzipiert, und bieten eine Einführung in das vielschichtige musikalische Genre der Oper auf den Ebenen der Dramaturgie, des Bühnenbilds, der Kostüme, der Musik und der Bühnenpräsenz, und dies basierend auf einer griechischen Fassung von Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel". Es besteht aus 15 Unterrichtsstunden,die auf drei Tage verteilt werden. Spezialisierte Mitarbeiter der Oper Thessaloniki animieren diese Workshops, und die Oper liefert dazu auch das notwendige Material.  

 

Die Oper Thessaloniki hat im Rahmen ihres Programms zudem ein Workshop für Schüler der Klassen 7 - 12 vorgesehen, die ihnen die Möglichkeit bieten, über das Puppentheater Wissen und Erfahrungen im Bereich Oper zu sammeln. Das Workshop dreht sich um die Oper „Die Kluge" von  Carl Orff, und umfasst folgende Aspekte: Regie, Kostüme, Entstehung und Darstellung einer Figur.

 

Das „Pes Opera" Programm wird von der Europäischen Union mitfinanziert (über das Operationelle Programm für „Kultur") und gehört zur Einrichtung des griechischen Kulturministeriums für „Erziehung und Kultur".

 

Sicher ist eines: Kinder haben ein Bedürfnis nach dieser Art von Aktivitäten, über die sie auf einfache und praktische Weise ein so vielschichtiges Musikgenre kennenlernen können. Gleichzeitig lernen sie, als Team zu arbeiten im Rahmen einer Kunstform, die das Musikgenre der Teamarbeit par excellence ist, indem sie die eigene Phantasie entwickeln und kultivieren. Ein erfreuliches Ergebnis unserer Bemühungen sind die Sekundarschulen, die in Vorstellungen der „Fledermaus" kommen, sowie auch die Grundschulen, die nun auch das Musiktheater in ihre Abschlussfeiern integrieren.

 

P. Κ.: Was können wir in nächster Zukunft von der Oper Thessaloniki erwarten? 

 

L. X.: Dass sie autonom wird, wie ich hoffe. Soviel Engagement, das mit einem so großen Maß an Hingabe, Geduld und Beharrlichkeit geleistet wird, muss einfach zu Ergebnissen führen.  

 

 

Paris Konstantinidis

Musikwissenschaftler

Interview

 

Theaterzeitschrift AVLEA , 2007

„Als wir diese Aufgabe übernommen haben, war uns klar, dass die Oper Thessaloniki sich mehr nach Außen richten muss, d.h. dass die Öffentlichkeit sie als Institution kennen lernen, aber auch mit der Oper als Genre des Musiktheaters vertraut gemacht werden muss."

 

- Welche Prioritäten haben Sie gesetzt, als Sie die künstlerische Leitung der Oper Thessaloniki übernommen haben? Welche radikalen Veränderungen wollen Sie herbeiführen?

„Die bedeutendsten und ersten Prioritäten der neuen Leitung waren zunächst die Schaffung von Arbeitsräumen, die Einstellung von Mitarbeitern, das Begleichen von Schulden im Zusammenhang mit früheren Produktionen sowie die Suche nach öffentlichkeitswirksamen Kommunikationsmitteln, um die Oper nach Außen hin bekannter zu machen. All dies wurde auch in die Tat umgesetzt, sobald der Staat die erforderlichen Zuschüsse entsprechend erhöhte. Kurz gesagt war die Oper Thessaloniki bisher zwar gesetzlich vorgesehen, aber als Organisation wurde sie erst jetzt in Betrieb genommen. Die Oper bekam auch im September 2005 erstmals eine künstlerische Leitung bzw. Intendanz. Als wir dann endlich die Mittel hatten, um ein Minimum an Mitarbeitern einzustellen, konnte die künstlerische Arbeit beginnen. In der Folge haben wir auch unser pädagogisches Programm ins Leben gerufen, das den Namen „Pes Opera" trägt. Ich hatte schon das Gefühl, als würde ich bei Null anfangen... Als ich meinen Posten antrat, gab es zwar viel Flexibilität und somit viele Möglichkeiten, aber es hing auch alles in der Luft. Die Oper Thessaloniki fußte auf einer bloßen Idee, bzw. auf den ehrgeizigen und übermenschlichen Bemühungen der früherer Leiter, mit dem Ziel, künftig ein autonomes Opernhaus in Thessaloniki zu haben. Und so vernahmen wir mit großer Freude im Februar 2007 die Ankündigung des damaligen Ministers über den Beginn der Aussprache über einen Gesetzesentwurf, der innerhalb absehbarer Zeit zur Gründung einer Oper für Mazedonien und Thrazien führen sollte. Ich hoffe, dass dieser Text bald dem Parlament vorgelegt wird. Was die radikalen Veränderungen angeht, so glaube ich nicht, dass wir regelmäßig Wunder vollbringen können. Der politische Wille in unserem Land muss die Oper Thessaloniki erst einmal aus den „Klauen" des Staatstheaters Nordgriechenlands befreien, das bisher die Entscheidungsgewalt über deren künstlerische Entwicklung hat, denn es muss uns ja jeweils seine Räumlichkeiten für unsere Aufführungen zur Verfügung stellen. Oft sind wir deshalb gezwungen, unsere Produktionen in anderen Sälen unserer Stadt vorzustellen, die kaum für eine Opernaufführung geeignet sind."

 

- Wie viel kostet es denn, eine Oper auf die Bühne zu bringen?

„Der derzeitige Stand der Dinge bei der Oper Thessaloniki ist folgendermaßen: wir haben kein Ensemble, also keine eigenen Sänger, kein Orchester, keinen Chor, keine eigenen Bühnendienste bzw. keine Kostüm- oder Maskenbildner und keine eigene Bühne, und somit sind die Kosten jeder Produktion vergleichsweise hoch, denn wir müssen alle Mitwirkenden dafür extern engagieren. Somit entstehen übermäßig hohe Kosten, und mehr als etwa sechs Vorstellungen sind jeweils nicht möglich. Darüber hinaus sind die verwaltungs- und bühnentechnischen Dienstleistungen, die das Staatstheater Nordgriechenland der Oper Thessaloniki bietet, bestenfalls elementar, sodass aus unserem Haushalt noch mehr Gelder für externe Mitarbeiter ausgegeben werden müssen. Außerdem sollte darauf hingewiesen werden, dass wir lediglich 4% der Zuschüsse erhalten, die der Griechischen Nationaloper in Athen gewährt werden.

 

- Wie finanzieren Sie sich? Hilft Ihnen der Staat bei der Suche nach Sponsoren?

„Der Staat hat, als die jetzige Leitung antrat, den Zuschuss für die Oper Thessaloniki verdoppelt, aber der daraus entstandene Betrag ist immer noch bei weitem nicht genug. Dennoch zeigt die Regierung ein ständiges Interesse an unserer Institution. Ab diesem Jahr sind wir auch aktiv auf Sponsorensuche." 

 

- Haben denn die Griechen die notwendige musikalische Bildung, um ein so schwieriges Musikgenre wie die Oper sehen und verstehen zu können?

„Opern sind nicht schwierig, sie sind nur in Griechenland unbekannt. Wenn man natürlich die Tradition der klassischen Musik in unserem Land (in der es im Grunde keine solche Tradition gibt) mit der in anderen Ländern vergleicht, dann muss man daraus schließen, dass Griechenland seit der Mitte des 20. Jahrhunderts riesige Forstschritte gemacht hat. Viele Griechen sind in den letzten Jahrzehnten ins Ausland gegangen und haben ihre Erfahrungen an ihre Landsleute weitervermittelt. Also wäre es ungerecht, unser Land mit einem Land wie Deutschland zu vergleichen, wo die Operntradition fünf Jahrhunderte zurückgeht."

 

- Welche der bekannten Opern sind beim Publikum am beliebtesten?

 

„Bei den Griechen sind Opern beliebt, deren Musik angenehm zu hören und deren Handlung abwechslungsreich und spannend ist. Am liebsten hört man hier die Opern unserer italienischen Nachbarn. 

 

- Welche sind Ihre Lieblingskomponisten?

 

„Ich habe viele Lieblingskompositionen, aber keine Lieblingskomponisten. Meisterwerke wurden in allen Epochen geschrieben, aber mir persönlich liegen die Romantik, die Spätromantik und der Impressionismus am meisten. Wenn ich einen einzigen Komponisten wählen müsste, dann wäre es der letzte Vorläufer der Romantik, Ludwig van Beethoven. Seine Werke zu studieren gibt mir Kraft. 

 

- Wie viele Werke haben Sie bereits dirigiert, und welcher war der beste Moment in Ihrer bisherigen Karriere?

„Eine absolute Zahl kann ich Ihnen nicht nennen. Ich habe zahlreiche Symphoniekonzerte und Opernaufführungen dirigiert. Zu den schönsten Momenten meiner bisherigen Karriere gehören aber immer die, in der ich die Anerkennung meiner Ensembles spürte für das, was ich bisher geleistet habe, aber auch, wenn auch in geringerem Maße, einige intensive Momente des Musizierens in Proben und Vorstellungen. Natürlich kommen mir auch Tränen der Freude, wenn ich mit Interpreten zusammenarbeite, deren Talent mich begeistert. In solchen Augenblicken danke ich Gott dafür, dass er dem Menschen dieses einzigartige Kommunikationsmittel geschenkt hat, nämlich die Musik.

 

- Was bedeutet für Sie das Dirigieren?

„ Es bedeutet Koordination. Ein Dirigent trägt die volle Verantwortung für die Interpretation, d.h. die getreue und korrekte Interpretation eines Werks, und muss daher sehr gut vorbereitet sein und das Werk fast etwas besser kennen als der Komponist selbst... Dieses Wissen, in Verbindung mit einer inspirierenden Vermittlung des Werks sind u.a. unbedingt notwendig, um den Respekt des zu leitenden Ensembles zu gewinnen. Dann muss das Werk dem Orchester vermittelt werden, sowie auch den Solisten und dem Chor. Später werden diese „Einzelteile" zusammengefügt, und während der fortschreitenden Bühnenproben vollendet ein Dirigent diese didaktische Rolle dann in den letzten Proben vor der Premiere. Bei den Vorstellungen ist die musikalische Leitung nicht nur die Aufgabe eines Interpreten, sondern auch eines „Verkehrspolizisten", der „Unfällen" vorbeugen und das Ensemble auf mehreren Ebenen führen muss, auch durch Körpersprache, damit das Werk „fließen" kann...

 

-  Was wünschen Sie sich für die unmittelbare Zukunft?

 

„Hauptsächlich wünsche ich mir, dass ich meine Bemühungen um die Oper Thessaloniki fortsetzen kann, und dass ich sie auch zu Ende führen kann. Ich möchte, dass die Oper Thessaloniki autonom wird!"

 

- Was ist Ihr Traum als Künstlerin?

„Zur Zeit habe ich mich ganz der Oper Thessaloniki gewidmet, möchte mich aber künftig auch etwas mehr um meine persönliche künstlerische Entwicklung kümmern können. Der Traum jedes Dirigenten ist es, in den größten Theatern der Welt zu dirigieren und mit den bedeutendsten Orchestern zu arbeiten! Vielleicht kann ich folgenden Vergleich wagen: Autofahren kann angenehm sein, aber manchmal auch unangenehm, z.B. wenn das Fahrzeug Probleme aufweist, es kann aber auch teuer werden, wie etwa wenn man nicht aufpasst und eine Strafe bezahlen muss, oder wenn eine unerwartete Reparatur fällig wird, und es kann sogar lebensgefährlich werden, wenn aufgrund von Unerfahrenheit oder eines Schicksalsschlags ein Unfall passiert; oft kann es auch irritierend sein, wenn der Verkehr dicht ist, oder sogar ein Albtraum, wenn nirgends ein Parkplatz zu finden ist... aber wenn man in einem Traumauto auf die Autobahn fährt, dann ist es ein wahrer Genuss.

 

Vassilis Papavassiliou

  

Die Oper Thessaloniki verlangt nach Autonomie

 

Tageszeitung KATHIMERINI, 31-10-06

Sind wir autonom, oder lediglich eine Nebenstelle? Sind wir eine Abteilung des Staatstheaters Nordgriechenlands, oder ein unabhängig agierendes Opernhaus? Sind wir denn letztlich eine kulturelle Organisation, die erforderlich ist?" 

 

„Existentielle Fragen"

 

Die Intendantin der Oper Thessaloniki, Dirigentin Lisa Xanthopoulou, überraschte gestern als sie während einer Pressekonferenz den Generalsekretär des Kulturministeriums, Herrn Christos Zachopoulos, um klarere Hinweise bat - im Grunde also um eine Bekundung politischen Willens - „auf eine gesetzliche Absicherung unserer Organisation", der, wie sie sagte, „4,5% der Mittel zugeführt werden, die für die Oper in Athen bereitgestellt werden".

 

Auf diese „existentiellen Fragen", wie Herr Zachopoulos sie scherzend nannte, erwiderte er indirekt aber deutlich, dass der Weg zur Autonomie noch sehr lang sei. „Dies ist eine sehr kostenintensive Organisation, und die Unterschiede bei den Mittelzuweisungen sind gerechtfertigt. Das Opernhaus in Athen besteht bereits seit Jahrzehnten, während sich die Oper Thessaloniki noch in den Kinderschuhen befindet," sagte er.  

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